Filterblog: Äpfel, Birnen und Relativierung

Unzulänglichkeiten und Fehler einer Demokratie und demokratisch gewählter Personen beim Namen zu nennen ist nicht nur okay, sondern elementar wichtig. Die Tatsache, dass in einer Demokratie nichts perfekt ist, liegt wohl vor allem daran, dass es eine Demokratie ist. Und dass man Missstände einfach kritisieren und offen ansprechen darf, liegt daran, dass wir einen freiheitlichen Rechtsstaat haben.
Die DDR war in jeder Hinsicht das Gegenteil davon. Und nicht nur die DDR, jeder Sozialismus dieser Welt hat sich bisher immer in diese Richtung bewegt, immer in Richtung Unfreiheit. Was ja auch in der Natur des Sozialismus liegt, weil dort eben das Gemeinwohl im Zweifel über wirklich alles andere, inklusive Menschenrechte und individuelle Freiheit gestellt wird.
In der DDR gab es alles, was man dem westdeutschen politischen System und seinen Vertretern (oft sehr zurecht) vorwerfen könnte um ein Vielfaches verstärkt – allerdings kam man dort unter Umständen in den Knast (und wir reden hier von Gefängnissen, die mit unseren wirklich gar nichts zu tun haben), wenn man sich zu laut darüber beklagte.
Fehler und Unzulänglichkeiten westdeutscher Politiker oder gar des gesamten politischen Systems der Bundesrepublik mit der DDR und dem dort geschehenen Unrecht zu vergleichen geht nicht. Wer ein fehlerloses System haben will, muss meiner Meinung nach 1. die Monarchie einführen und 2. anschließend den perfekten Menschen zum König machen. Solange es keine perfekte Menschen gibt, wird keine Regierung jemals fehlerfrei funktionieren aber worauf wir dann wenigstens Wert legen sollten ist dann wenigstens diese Fehler auch offen aussprechen zu dürfen.
In einem Sozialismus wird das Benennen von Fehlern immer auf irgendeine Weise bestraft werden, das ist historisch belegt und meines Erachtens eben systembedingt. Und genau darum ist es für die Debatte im Prinzip total egal, ob Sozialisten oder Kommunisten eine DDR-Vergangenheit haben oder nicht, denn ihre Ziele sind falsch und enden immer tödlich und in Unfreiheit, wenn man sie sie verwirklichen Lässt.
Für diejenigen Bürger, die eine DDR-Vergangenheit mit Gefängnisaufenthalten und Bespitzelung erlebt haben dürfte es allerdings trotzdem eine große Rolle spielen, ob in ihrer Regierung Unterstützer des damaligen Systems sitzen oder nicht. Für mich gehört schon ein besonderes Maß an Menschenverachtung dazu, sich als ehemaliger DDR-Fan überhaupt zu einer freien Wahl zu stellen.
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Soweit meine Gedanken zu diesem Artikel von Horst Schulte.

