Hört ihr zu! Sie ist 17 Jahre alt, sie floh aus Afghanistan vor den Taliban nach Europa, sie ist jetzt im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos eine Sprecherin des neuen Anti-Corona-Camp-Teams und erzählt von ihrer Arbeit. Das Selbsthilfeteam von Stand by me Lesvos besorgte sich Megaphone und entwickelte in Moria erste Awareness-Plakate auf Arabisch, Farsi, Dari, Somali, Pashtu, Urdu, Französisch und Englisch. In dem Freiwilligen-Team arbeiten Frauen und Männer aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Unter ihnen sind geflüchtete Apotheker und die vielsprachigen Poster werden zum Teil in ihren Herkunftsländern übersetzt und durchs Netz zurück geschickt. Jetzt hat das Team sogar begonnen Corona-Schutzmasken selbst zu produzieren. Erst für die besonders gefährdeten Gruppen im Camp (Schwangere, Alte, Kranke), dann aber auch für die Einheimischen in Lesbos, denn es gibt praktisch für niemanden Masken auf der Insel. Es werden etwa 1.000 am Tag genäht. Eine Gruppe von afghanischen Frauen hat ein Nähteam gegründet, im Internet informierten sie sich, kauften den dafür brauchbarsten Stoff. Eine solche Maske hält drei Tage, dann muss sie gewaschen und kann wieder verwendet werden. Nochmals: Die Geflüchteten im Elendslager von Moria produzieren jetzt Corona-Schutzmasken und werden damit auch die Bevölkerung auf Lesbos versorgen, weil die griechische Regierung in Athen keinerlei Katastrophenpläne für ihre Bürger*innen auf den Inseln hat. Das Team macht das alles mit minimalsten finanziellen Mitteln und ohne irgendeine europäische NGO. Es gibt nämlich einen eklatanten Widerspruch: Viele aus Deutschland oder in Europa wollen zu recht die Geflüchteten, und besonders die Kinder, aus den katastrophalen Bedingungen in Moria rausholen und retten. Es gibt Hilfsaufrufe und Städte wie Gemeinden in Deutschland, die bereit sind Flüchtlinge zu aufzunehmen. Das ist mehr als gut und wichtig. Aber in vielen Solidaritätsappellen bleiben die Geflüchteten doch nur No-Names, bleiben nur bedürftige Menschen, die im Dreck hausen und deren Leben jetzt zusätzlich von dem Corona-Virus bedroht wird. Dass sie aber auch Leute sind, die gerade auf Lesbos im Flüchtlingslager dem zivilisierten Europa zeigen, wie man mit nahöstlichem Organisationstalent und Geschick eine Krisensituation versuchen kann zu meistern, wird oftmals nicht gesehen. Das Corona-Selbsthilfe-Team in Moria hilft, klärt auf und versucht Hoffnung und Mut zu stiften, damit nicht alle vor dem Virus resignieren. Die freiwilligen Aktivist*innen wissen, dass sie infiziert werden können und niemand weiß, was wirklich passieren wird, wenn das Virus in Moria mit voller Wucht einschlagen sollte. Aber sie wollen etwas tun und nicht allein darauf hoffen, dass andere sie irgendwann vielleicht retten.