Wir werden uns noch wundern, was alles nicht möglich ist
Das wird jetzt etwas länger. Vor ziemlich genau einem Jahr behaupteten die Betreiber der Facebook Seite "Wir unterstützen Norbert Hofer", dass die Caritas teure Handys an Flüchtlinge verschenke. Kein Wort des Postings stimmte, das war damals im Juli 2016 bereits mehrmals von uns und anderen öffentlich klargestellt worden, aber das Lügenmärchen verbreitete sich dennoch rasend schnell und verunsichert(e) viele Menschen. D…as Ziel war klar: Eine Hilfsorganisation sollte diffamiert werden. Die FPÖ macht das seit vielen Jahren. Aber im Wahlkampf um das Amt des Bundespräsidenten war doch etwas neu. Der Social Mediaauftritt von Norbert Hofer war ein Paarlauf von zwei Facebook Fanseiten. Es gab die offizielle Schönwetter-, Positivseite "Norbert Hofer" der freundliche Familienmensch, der Tierfreind, der Politiker, der immer jedes Wort überlegt und besonnen wählte und eben die andere, die Dirty Campaigning Seite "Wir unterstützen Norbert Hofer". Dort wurden Falschmeldungen verbreitet, Kritiker lächerlich gemacht und Emotionen und Hass geschürt. Von zweiterer Facebook Seite distanzierte man sich dann im Laufe des Wahlkampfs regelmäßig von Seiten der FPÖ. Man wisse nicht, wer die Seite betreibe, hieß es. Man distanzierte sich gelegentlich auch halbherzig von bestimmten Inhalten. Rechtlich gelang es (mir) leider bis heute nicht gegen die Seite anzukommen.
Juli 2017. Die Liste Kurz hat das Konzept offenbar 1:1 übernommen. Es gibt im aktuellen Nationalratswahlkampf zwei Facebook Seiten. Die offizielle, seriöse Seite "Sebastian Kurz" und die Dirtycampaigningseite "Wir für Sebastian Kurz". Eine Seite nicht von der Partei, sondern "von Privatpersonen" wie auf Nachfrage versichert wird. Doch nichts an der Seite ist Fake. Professionell gemacht, selbes Layout,... Sie ist eine wohl überlegte Socialmediamaßnahme im aktuellen Wahlkampf. Heute wird dort wieder einmal NGO Bashing betrieben. Denn obwohl erst heute vom Innenministerium bestätigt wurde, dass die Asylantragszahlen in Österreich bei ca. 12.000 Anträgen stehen, muss das Thema Asyl im Wahlkampf am Kochen bleiben. Ohne jede Beweisführung wird auf der Kurzschen Seite Nr. 2 behauptet, NGOs drohen Migranten von Italien nach Österreich zu bringen. Welche NGOs genau? Wer ist die Quelle der Information? Egal. Es geht um Stimmungsmache und um Stimmen. Da dürfen schon mal pauschal alle Helferinnen und Helfer, die obdachlosen Menschen Suppe ausschenken, Rettungswagen lenken, die sich für Menschenrechte oder die Natur einsetzen, die sterbenskranke Menschen begleiten, mit geflüchteten Kindern Deutsch lernen pauschal verunglimpft werden. Nein, die haben Sie, Herr Kurz ja alle nicht gemeint, werden sie dann beteuern. So wie damals als Sie nach dem "NGO Wahnsinn"- Sager die großen Hilfsorganisationen durchgerufen haben, um zu beteuern, dass die jeweilige NGO natürlich nicht gemeint sei. Sie nehmen das alles bewusst in Kauf. Ich frage mich nur, wer da ist, um zu helfen, wenn es wieder einmal darauf ankommt wie damals im Jahr 2015 und bis heute. Sie oder die tausenden Freiwilligen Helferinnen und Helfer? Auf alle Fälle erwarte ich mir von einem Politiker, der Bundeskanzler werden will mehr Fairness und Respekt gegenüber den tausenden ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Wer Österreich liebt, spaltet es nicht. Denn im Ernstfall kommt es auf jeden und jede Einzelne an. Hoffentlich werden wir uns dann nicht wundern, was alles nicht möglich ist. Wenn diese Menschen sagen, wozu soll ich mich für meine Hilfe noch kriminalisieren lassen.